Samstag, 17. Februar 2018

Heute, morgen, Frühling.

Wer ein Saatkorn vergräbt, der glaubt an ein Morgen.
Und wenn auch die 30-Tage-Prognose einen unterirdisch kalten März vorhersagt, der Frühling wird irgendwann kommen. Er muss.
Heute hat es mal nicht geschneit und die Temperaturen waren kurzzeitig sogar im Plusbereich. Also nutzte ich die Gunst der Stunde und hab's getan: angesät. Früher als sonst, aber es gibt ja auch wirklich viel zu tun dieses Jahr.

Verschiedene Salate, Kohlrabi, ein paar Kräuter und Tagetes wechselten heute vom Saatgutglas in die Anzuchtplatte (die Lobelien im Bild waren heute noch nicht dran). Außerdem im Bild zu sehen: mein etwas struppiger Salbei im Wintermantel und die unverwüstliche Petersilie, die ohne Mäntelchen auch nach -10°C noch das blühende Leben ist.
Diesmal ist das Substrat eine eigene Mischung aus Kokosfaser und Biopflanzerde etwa im Verhältnis 4:1. Vor allem in Sachen Blattsalat hab ich ziemlich aus dem Vollen geschöpft und gleich vier verschiedene Sorten ausgesät: meinen geliebten Amerikanischen Braunen, einen roten und einen grünen Pflücksalat und Venezianer-Salat, alte Sorte mit spitzen Blättern, die aussehen, als hätte man sie mit der Zackenschere beschnitten. Sicher dekorativ im Beet. Der Kohlrabi ist natürlich blau, alles andere wäre langweilig. Meine fränkischen Zwiebeln sind auch ausgesät, stehen aber im Büro zwischen den Fensterscheiben, wo es kühler ist. Kurioserweise musste ich das Saatgut aus der Schweiz (!) importieren, da  Saatgut in Bioqualität von alten fränkischen Zwiebeln - obwohl Bamberg um die Ecke ist - hier einfach nicht zu bekommen war...
Paprika und Tomaten haben auch einen Platz im Büro bekommen, wo die Heizung am Fenster ist und die Anzuchttöpfe wärmere Füße haben.
Jetzt also abwarten, bis der erste Winzling seinen Kopf aus der Erde streckt.

Im Bild: ein Spargelsalat der Sorte Cracoviensis, also ein ziemlicher Kawenzmann, wenn er denn mal groß ist. Aktuell ist er drei Millimeter lang und einen halben Millimeter dick. Meine Faszination ist ungebrochen, dass aus diesem winzigen, trockenen, federleichten Etwas in nicht mal sechs Monaten ein stattliches Gewächs von einem Meter Höhe geworden sein wird, wenn alles wie geplant läuft. 







Derweil war ich im Garten und habe einen Rundgang gemacht. Trotz strengem Frost breitet sich hier wieder die Wildnis aus (wieso rafft der Frost eigentlich alles dahin AUSSER Unkraut???). Man kann schon erahnen, was alles wieder gerodet, geschnitten und ausgegraben werden muss, bevor hier Gemüse wächst. Aber zwischen der Unordnung: die Frühlingsboten.

Flauschig: kleines Polster-Kissenmoos an der Beetbegrenzung




Sonntag, 11. Februar 2018

Von Gärtnerfrust und Winterdepression

Ein bisschen verzweifelt wirkte es, als ich heute auf dem Balkon versucht habe *anzugärtnern*. Naja, wenigstens ein bisschen vorbereiten wollte ich und meine Anzuchterde anmischen. Dass man bei Minustemperaturen nichts säen kann, war mir auch klar.
Aber als schon beim ersten Handgriff die Schaufel mit einem frustrierenden "knock" auf die gefrorene Erde in den Kästen stieß, hätte ich heulen können. Also gut. Dieser endlose Winter, der bisher nur Dunkelheit, Grau und unendlich viel Matsch gebracht hat, dieser elendige Winter hat sich in den letzten acht Tagen überlegt, doch nochmal aufzudrehen und alles durchzufrieren. Jetzt! Jetzt, wo die Vögel schon anfangen, ihre Frühlingsmelodien zu singen...
Aber an Anzucht am Fenster ist eben auch nicht zu denken. Dafür ist es viel zu dunkel. Es ist doch schon statistisch ein Ding der Unmöglichkeit, dass hier an 25 von 30 Tagen tatsächlich kilometerdick die Wolken über dem Ort hängen. Bei einem Kollegen wurde jetzt sogar offiziell medizinisch "Lichtmangel" diagnostiziert und Vitamin D verschrieben (kein Scherz!).

Ich merke auch, wie der Mitbewohner und ich deutlich ungehaltener werden und wir das Leben bei Kunstlicht wirklich satt haben.
Da fällt mir immer wieder Mozarts Lied "Sehnsucht nach dem Frühling" ein, das mir geradezu aus der Seele spricht:

https://www.youtube.com/watch?v=32S53cOuvYA

Dienstag, 30. Januar 2018

Winterbeschäftigung, 2. Teil... Garten-schick!

Saatgut sortiert, neues Equipment eingekauft und startklar, Gartenplan und Gartenkalender fertig.

Was kann man also an dunklen, einsamen Sonntagen tun, an denen nicht einmal der Mitbewohner da ist, um ihm auf die Nerven zu gehen? Raus schauen und auf besser Wetter warten. Oder: noch mehr Gartenequipment, Gartenoutfits!

Der Mitbewohner spendet ja gelegentlich seine Hemden für den guten (Garten)zweck, aus denen man dann ansehnliche, bequeme und praktische Gartenkittel für heiße Gartentage machen kann. Zwei davon sind inzwischen entstanden. Luftig leicht und robust :-)


Zugegeben, blau ist dominant. Aber daran ist nun mal der Mitbewohner schuld...
Upcycling im weiteren Sinne.

Montag, 29. Januar 2018

Winterbeschäftigung, 1. Teil: Die Saat-o-thek...

Soll mal einer sagen, im Winter würde einen der Garten nicht beschäftigen...
Da wollte ich mein Saatgut endlich mal sortieren, ausmisten und in einer bessere Aufbewahrung überführen - nämlich eine schöne Holzbox - da stelle ich mit Entsetzen fest, dass meine Saatguttüten überfallen worden sind. Von Staubläusen. <ärger>
Ich weiß, dass mein Saatgut nicht optimal gelagert wird und dass es in meiner kleinen Behausung auch tendziell immer ein paar Prozent zu feucht ist. Also im Prinzip bin ich selber schuld, die Verbesserungsmaßnahme kam zu spät. Vielleicht hab ich sie mir eingeschleppt mit meinem eigenen Saatgut, das nicht perfekt gereinigt ist.
Um das teure Bio-Saatgut werde ich mich mit den Krabblern aber streiten. Da die Biester dem Saatgut selbst nichts ausmachen, nur ein Indikator für zu hohe Luftfeuchte sind, werde ich ihnen den garaus machen und habe nun die Tüten in dicht schließenden Behältern auf dem Balkon geparkt. Die niedrigen Temperaturen werden sie nicht überleben, das Saatgut schon.

Und für die Zukunft wird jetzt aufgerüstet.
Zu einem anständigen Garten gehört eine anständige Saat-o-thek. Also habe ich mir nun endlich braune Apothekergläschen besorgt, in die die Saaten sofort nach dem Eintreffen kommen. Und gelagert wird in Zukunft kühler.

Das ist das Ergebnis:

Apothekergläser gibt es im Netz in verschiedenen Standardgrößen zu Cent-Preisen. Daher habe ich gleich mal 40 Stück gekauft, in drei verschiedenen Größen, 10ml, 30ml und 50ml, wobei die Praxis zeigte, dass die beiden kleineren am häufigsten gebraucht werden. Was größere Samen hervorbringt, als in die 50ml Flasche passt (z.B. Bohnen), kommt in ein normales Schraubglas.
Die Gläser lagern in einer alten Champagner-Holzkiste, die ich erfolgreich geschnorrt habe (also die Kiste...). 40 Gläser passen lustigerweise exakt rein :-) Als Systematik-Fan habe ich dann noch Karteikarten mit den Pflanzenfamilie zur Ordnung in die Kiste gesteckt.
Zur Beschriftung habe ich jeweils von der Saattüte die Bezeichnung und die Aussaatangaben ausgeschnitten und simpel mit Klebstreifen auf die Gläser geklebt - sieht übersichtlich aus und lässt sich spurlos entfernen. Die Gläser sind so handlich, dass sie beim Säen in der Gärtnerschürze unterkommen. Dicht verschlossen und lichtgeschützt lagern die Flaschen nun im kühlen Schlafzimmer. Ja, ich weiß, Keller wäre besser, aber ich werkel so oft an meinem Saatgut, dass ich ständig in den Keller laufen würde...

Sonntag, 10. Dezember 2017

Winterstarre

Irgendwann wird es dann doch wirklich ruhig im Garten.
Der Balkon ist schon länger zusammengeräumt und das letzte Gemüse geerntet. Im großen Garten stehen noch ein paar einzelne Rettiche, die dem Schnee trotzen werden. Ansonsten ist auch da alles abgeerntet, was nicht überwintern soll, der Grünschnitt zerkleinert und untergeharkt.


Und der Winter hat unser kleines Dorf gerade gut im Griff.


Sonntag, 19. November 2017

Fränkisch-Transsilvanien

Neulich auf einer Zugfahrt durch oberfränkische Gefilde ließ sich der Mitbewohner zu einem Ausspruch hinreißen, der wie kein anderer meinen Eindruck von Franken zwischen Oktober und März fasst:
"Wie Transsilvanien."
Gemeint ist natürlich das Klischee: dunkel, kalt, Wald. So sehr man die wildromantische Landschaft in der milden Jahreszeit schätzen kann - im Oktober geht hier sprichwörtlich das Licht aus. Eigentlich könnten sie die Straßenbeleuchtung gleich den ganzen Tag eingeschaltet lassen, denn von Tageslicht kann man (an guten Tagen) vielleicht zwischen 12 und 14h00 sprechen, dann befinden wir uns wieder im ewigen Dämmerungszustand, der von Mitte Oktober bis Mitte März anhält. Das ohnehin reduzierte Tageslicht wird meistens noch von einer scheinbar kilometerdicken Wolkenschicht abgeschirmt. Und da Sonnenlicht ja auch Wärme bedeutet, ist es hier gleich auch nochmal ein paar Grad kälter als irgendwo sonst. Der Kühlschrank der Nation.
Es gibt für mein Empfinden auch keinen Herbst. Spätsommerliche Tage gehen gleich in einen verfrühten Winter über, Wolkenmassen legen sich über das Land und die Depression kriecht ins Gemüt.
Und während man also am Nachmittag durch die dunklen Straßen stapft, friert und der leichte Wind in jede Spalte des Mantels bläst, stellt sich nicht selten auch noch ein gemeiner Nieselregen ein: zu wenig, um den Schirm rauszukramen, aber genug, um nass zu werden und noch mehr auszukühlen.

Der Winter ist hart und hartnäckig hier. Ein geradezu skandinavischer Winter, gäbe es denn mehr Schnee. Stattdessen gibt es reichlich Schneematsch - ebenso in jenem Einheitsgrau, das man auch sieht, wenn man zum Himmel schaut.
Das ist die Krux: so wie grau unentschlossen zwischen weiß und schwarz, Licht und Dunkel ist, so unentschlossen ist der Winter hier: kein richtiger Schnee, kein richtiges
 Tageslicht, kein richtiger Regen, kein richtiger Wind. Grauzone, irgendwo dazwischen.

Heute im Garten eben diese Trostlosigkeit. Düster und grau. Das einzige, was für einen Überraschungseffekt sorgte, war der Knoblauch, der neugierig den Kopf schon aus der Erde steckt. Der Arme, was für eine Enttäuschung muss das gewesen sein...


Lässt sich nicht die Laune verderben: mein Feldsalat im Steinbeet




Sonntag, 12. November 2017

Da rett' ich den Rettich

Nun ja, der Rettich muss wahrscheinlich nicht gerettet werden, aber ich habe heute - angesichts dieses plötzlichen Wintereinbruchs - doch lieber mal großzügiger geerntet.
Bei Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt wird aus meinem beschaulichen Garten ein schlammiges Survival-Camp.
Auch Tommy die Wunderblume musste evakuiert werden, denn für Frost ist er dann doch nicht geeignet, der kleine Kerl.
Das Balkongärtchen wurde im Hauruck-Verfahren ins Wohnzimmer verlagert.

Ja, ich weiß.
Ich geb's ja zu, ich hab es vermasselt.
Zu lange gewartet und den Moment verpasst, in dem man vernünftigerweise die Gewächse umgesiedelt und eingemummelt hätte, statt jetzt überstürzt alle einzusammeln. Aber was soll man machen, wenn sogar die Wochenenden manchmal nicht frei sind und der Garten sich um sich selbst kümmern muss...
Ab jetzt gibt es also TK-Spinat aus dem Garten, statt aus dem Supermarkt.